Fabian Huttner bei der Eröffnungsrede ©José Alberto Puertas

2. Forum Bundesbank in Madrid: Geopolitik, Inflation und wirtschaftliche Herausforderungen im Fokus ZiZ-Newsletter – April 2025

Nach der erfolgreichen Premiere im November 2023 fand am 10. Februar 2025 in Madrid das 2. Forum Bundesbank statt. Mit dem Leitthema „Navigating in Changing Times: Geopolitics, Inflation and the Economy“ bot die Veranstaltung erneut eine Plattform, um den wirtschaftspolitischen Diskurs in Spanien zu fördern und zugleich zentrale wirtschaftliche Entwicklungen aus der Perspektive der Deutschen Bundesbank zu beleuchten.  

Eröffnung durch die Bundesbank: Deutschlands wirtschaftliche Lage und strukturelle Herausforderungen

Den Auftakt des Forums bildete die Eröffnungsrede von Fabian Huttner, dem Repräsentanten der Deutschen Bundesbank in Spanien. Er gab einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Situation in Deutschland und hob hervor, dass die größte Volkswirtschaft Europas weiterhin mit einer Phase anhaltender Schwäche konfrontiert ist.  

Huttner erläuterte, dass Deutschland seit Mitte 2022 mit einer Phase anhaltender Schwäche konfrontiert ist. Neben den kurzfristigen konjunkturellen Herausforderungen hob er die strukturellen Probleme hervor, die das Land in den kommenden Jahren bewältigen muss. Zu diesen zählen unter anderem:

  • Hohe Energiekosten: Trotz sinkender Gaspreise im Vergleich zum Sommer 2022 bleiben diese auf einem Niveau, das insbesondere energieintensive Industrien belastet.
  • Rückläufige Wettbewerbsfähigkeit: Die zunehmende Konkurrenz, insbesondere aus Asien, sowie strukturelle Schwächen im Innovationsbereich beeinflussen die Exportstärke und Investitionsbereitschaft der Unternehmen.
  • Demografischer Wandel: Ein abnehmendes Arbeitskräftepotenzial und die begrenzte Kompensation durch Zuwanderung stellen langfristig eine große Herausforderung dar.

Huttner betonte, dass ein nüchterner Blick auf diese Herausforderungen notwendig sei, ohne jedoch in übermäßigen Pessimismus zu verfallen. Vielmehr gelte es, durch gezielte Reformen und Investitionen die Weichen für eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu stellen.

Fireside Chat: Handelspolitik, Zinspolitik und die Zukunft der Eurozone

Fireside Chat ©José Alberto Puertas
Fireside Chat links Amador G. Ayora, rechts José Manuel González-Páramo

Das zentrale Highlight der Veranstaltung war der Fireside Chat zwischen José Manuel González-Páramo, ehemaliges Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank und renommierter Wirtschaftsprofessor, und Amador G. Ayora, Chefredakteur der angesehenen spanischen Wirtschaftszeitung El Economista.  

In einer offenen und angeregten Diskussion analysierten sie die geopolitischen und wirtschaftlichen Entwicklungen, die derzeit sowohl die USA als auch Europa prägen. Besonders intensiv wurde über die möglichen Auswirkungen der US-Handelspolitik unter einer erneuten Präsidentschaft von Donald Trump debattiert. González-Páramo wies darauf hin, dass protektionistische Maßnahmen der USA, insbesondere neue Zölle, die Inflation in den Vereinigten Staaten weiter antreiben und indirekt auch Europa betreffen könnten. Dies würde die geldpolitische Entscheidungsfreiheit der Europäischen Zentralbank (EZB) erheblich einschränken und mögliche Zinssenkungen in der Eurozone erschweren.

Auch die zukünftige Entwicklung der europäischen Wirtschaft stand im Fokus des Gesprächs. Die Experten diskutierten die Herausforderungen, mit denen große Volkswirtschaften wie Deutschland und Frankreich derzeit konfrontiert sind. Ein wichtiger Aspekt dabei war die wachsende Bedeutung der Kapitalmarktunion und ein digitaler Euro. Laut González-Páramo könnte die Einführung eines solchen Instruments dazu beitragen, die europäische Finanzinfrastruktur zu stärken und die Rolle des Euro im globalen Finanzsystem auszubauen.  

Hochkarätige Teilnehmer und angeregte Diskussionen  

Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse und brachte über 70 hochrangige Vertreter aus der spanischen Wirtschafts- und Finanzindustrie, Ministerien, der spanischen Zentralbank, Thinktanks, Beratungsfirmen und NGOs zusammen. Auch zahlreiche Diplomaten anderer Botschaften in Madrid nahmen teil. 

Nach dem Fireside Chat nutzten viele Teilnehmende die Gelegenheit, sich aktiv in die Diskussion einzubringen. Die Veranstaltung bot eine Plattform für den offenen Austausch über wirtschafts- und finanzpolitische Fragen und zeigte erneut, wie wichtig ein enger Dialog zwischen Deutschland und Spanien in wirtschaftlichen und geldpolitischen Fragen ist.  

Das 2. Forum Bundesbank in Madrid verdeutlicht erneut die zentrale Rolle der Deutschen Bundesbank als Impulsgeber für den internationalen Zentralbankdialog. Durch die Kombination von fundierten Analysen und lebhaften Diskussionen zu aktuellen Themen werden nicht nur die Herausforderungen der Gegenwart, sondern auch die Weichen für zukünftige Reformen gestellt. Das Forum leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung der wirtschaftspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Spanien und fördert den Austausch über die zentralen Fragen der globalen und europäischen Wirtschaftspolitik.